
Jeden zweiten Mittwochnachmittag erhält das Flamingo Besuch von einer Künstlerin bzw. von einem Künstler der Stiftung Theodora, um Kindern und Familien zusätzliche Momente der Freude zu schenken.
Röff de Böff und Professore wechseln sich jeweils bei ihren Besuchen ab. Sind viele Gäste im Flamingo, kommen sie auch mal zu zweit. Wenn ihr Auftrag auch klar ist, so ist er doch nicht simpel – jeder Besuch ist anders. Die Künstlerinnen und Künstler wissen nicht, welche Kinder und Familien sie antreffen und wie sich die Begegnungen gestalten werden. Mal befinden sie sich im Zimmer, im Atelier oder im Essraum, mal draussen. Mal sind die Familien separat anzutreffen, mal befinden sich alle gemeinsam in einem Saal. Die Künstler:innen müssen ihre gesamte Improvisationskunst anwenden.
Gemeinsame Show?
Das Flamingo Kinderhospiz ist ein Ort, der zusammenbringt. Genauso ist es auch am 14. Oktober 2026, dem Tag des grossen Besuchs. Als Selina Boppart, Fachverwantwortliche des psychosozialen Bereichs, die Künstlerin Röff de Böff und Vertreterinnen der Stiftung Theodora empfängt, berichet sie, dass sich drei anwesenden Familien so gut miteinander verstehen, dass sie den Besuch der Künstlerin gerne gemeinsam erleben möchten. Röff de Böff staunt nicht schlecht. Denn bis jetzt hatte es sich im Flamingo eher so ergeben, dass sie die betroffenen Kinder zusammen mit ihren Eltern und Geschwistern nacheinander besucht hatte. Aber kein Problem: Sie stellt sich darauf ein, dass es eher eine Show werden wird. Eine gemeinsam mit den Gästen gestaltete Show.
«Dadurch, dass sich die Situationen am Besuchsmittwoch zweimal im Monat sehr unterscheiden können, nehme ich immer genug Material mit», erklärt Nadja alias Röff de Böff. Schon seit 16 Jahren bringt sie Freude und Leichtigkeit in die Spitalgänge. Dies nun auch in einem Kinderhospiz zu tun, bereitet ihr grosse Freude. «Alle freuen sich sehr auf unsere Besuche, sowohl die Kinder, ihre Geschwister, ihre Eltern als auch das Fachpersonal», führt sie weiter aus. «Es ist, als gehöre man zur Familie».
Musikalischer Auftakt
Röff de Böff hat sich in Windeseile umgezogen und betritt mit einem grossen Lächeln die Terrasse, wo sich die drei Familien und das Fachpersonal versammelt haben. Die Kinder, die im Flamingo grosse Zuwendung erfahren, befinden sich nahe bei ihren Eltern, entweder auf dem Schoss oder neben ihnen in einem Rollstuhl. Die Vorfreude ist spürbar. «Die Künstlerinnen und Künstler ermöglichen einen anderen Zugang voller Leichtigkeit und Farbe. Sie gehen auf jede Person und Situation mit viel Feingefühl ein», erklärt Selina Boppart.
Auch wenn niemand weiss, was jetzt geschehen wird, wissen alle, dass sie die nächsten ein bis zwei Stunden einfach geniessen können.
Röff de Böff begrüsst die Anwesenden und fragt, ob sie dabei wären, mit ihr als Musikband aufzutreten. Die Familien nicken begeistert und neugierig. Röff de Böff beginnt, Aufgaben zu verteilen, zum Beispiel wird jemand gebraucht, der Schlagzeug spielt, die Maracas schüttelt, das sogenannte «Applaudiergerät» bedient, sowie jemand, der sich um «Luftakrobatik» (Seifenblasen) kümmert. Die Aufgaben sind schnell verteilt. Die beiden anwesenden Brüder wie auch Väter und Mütter, sogar die erkrankten Kindern selber finden ihre ideale Aufgabe.
Ein Vater stösst noch dazu. Röff de Böff sagt «Grüezi – Applaus!» – alle applaudieren. Jetzt kann die Show beginnen. Oh, aber wir müssen ja noch wissen, wie spät es ist. Die Künstlerin holt ein ausziehbares Massband hervor und übergibt es dem Bruder von Johanna. Er verkündet stolz: «Es isch 64!». Die Musik klingt schon bei den ersten Tönen recht vielversprechend, vor allem dafür, dass es eine Premiere in dieser Konstellation ist. Die Partyschlange darf nicht fehlen, freudig geschwungen von der Pflegefachfrau Iris Müller. «Es gibt viele Situationen, die nicht zum Lachen sind, doch wenn Röff de Böff oder Professore da sind, rücken die Sorgen in den Hintergrund. Die Verbundenheit unter den Familien und Mitarbeitenden wird gestärkt, weil man das zusammen erlebt und gemeinsam lacht.»
Zauberhaftes Intermezzo


Röff de Böff ist überzeugt: Diese Band hat das Zeug zur Welttournee! Sie fragt nach, wohin es die Bandmitglieder denn ziehen würde. Mallorca, Amerika, Thailand – die Reisewünsche sind vielfältig.
Ob neben der Musik auch das Zaubern funktioniert? Mit solch genialen Mithelfenden könnte das «magic» – das ist ein französisches Wort, findet Röff de Böff – tatsächlich funktionieren. Sie versichert sich, dass das Applaudiergerät funktioniert. Ein wichtiges Utensil, auch zu Hause: Wenn sie etwas gut macht, kann sie sich damit selbst applaudieren.
Sie nimmt ein Buch hervor, ein langweiliges Exemplar mit leeren Seiten. Bevor der Zauber wirken kann, muss aber noch ein Zauberstab organisiert werden. In ihrem Kittel findet sie eine Zahnbürste. Das passt doch wunderbar! Julia, die auf dem Schoss ihres Vaters sitzt, wird kurzerhand zur Zauberin ernannt. Ihre Familie hilft ihr, den «Zauberstab» zu halten und «Abrakadabra-Simsalabim» zu sagen. Wie durch ein Wunder hat das Buch plötzlich Zeichnungen.
Weiter geht’s mit Ballons. Röff de Böff greift zur Pumpe. Was wäre ein Besuch ohne etwas, das die Kinder behalten dürfen? Bei der Herstellung wird es etwas holprig: Jedes Mal, wenn sie mit ihrer Ballonpumpe loslegt, funktioniert es kurz, aber dann geht die Luft zum grossen Amüsement der Anwesenden wieder raus und der Ballon fliegt unkontrolliert durch die Luft. Schafft sie es mal, einen Ballon aufzublasen, klemmt sie sich den Finger in der Schlaufe des Knotens ein und braucht die Hilfe eines Kindes, das auf den Finger bläst, um den Knoten zu lösen. Irgendwann klappt es aber, und Röff de Böff bastelt den Kindern aus herzförmigen Ballons kleine, magische Fische, die die Kinder sogar selber bemalen dürfen.

Kleines Programm für Johanna
Nach einem weiteren «Abrakadabra» stimmt Röff de Böff zusammen mit den Anwesenden ein rockiges Lied auf der Ukulele für Johanna ein. Johannas Bruder Theodor, der für die «Luftakrobatik» zuständig ist, macht Seifenblasen in unterschiedlichen Grössen. Die Künstlerin versucht, diese zu fangen. Plötzlich piepst es jedes Mal, wenn sie eine Seifenblase berührt. Was das wohl ist? Die Seifenblasen müssen verzaubert sein! Daraus entsteht ein faszinierendes Spiel, bei dem alle mitmachen.
Die Künstlerinnen und Künstler der Stiftung Theodora verbreiten nicht nur Lachen, sondern auch Leichtigkeit.
Oft sorgen sie für Momente des Staunens und schaffen es, ein Fenster zur Fantasie zu öffnen, indem sie mit den Kindern in eine Zauberwelt eintauchen. Dass sie Welt der Kinder auch den Erwachsenen zugänglich gemacht wird, macht den Zauber noch kompletter.
Kreativer Schluss
Röff de Böff hat herausgefunden, dass ein anwesender Bruder eine Leidenschaft fürs Fischen hat. Sie hat etwas dabei, was sich unter anderem zum Basteln von Fischerruten anbietet: bunte Pfeifenreiniger. Die Anwesenden – alle haben ein solches Utensil erhalten – merken unter der Anleitung der Künstlerin schnell, was für interessante Dinge man damit machen kann. Nicht nur die besagte Fischerrute mit dem Ballonfisch dran, sondern auch einen Flamingo!Diese Idee einer Pflegefachfrau findet Röff de Böff sehr spannend. Sie bastelt einen Flamingo – nicht übel fürs erste Mal. Es folgen weitere Flamingos, einer schöner als der andere. So hinterlässt dieser Nachmittag im Flamingo nicht nur bunte Bastelwerke, sondern auch einen zusätzlichen Farbtupfer im Alltag der Familien.

«Die Sorgen, die omnipräsent sind, können dank den Künstlerinnen und Künstlern der Stiftung Theodora für einen wertvollen Moment in den Hintergrund rücken.»
Die Künstlerinnen und Künstler werden von Seiten der Stiftung Theodora in Zusammenarbeit mit der Accademia Teatro Dimitri und dem Institut und der Hochschule für Gesundheit La Source für sensible Situationen geschult. Um Traumdoktorinnen und Traumdoktoren zu werden, müssen sie eine einjährige, modulare/berufsbegleitende Ausbildung absolvieren. Ferner besuchen sie jährliche Weiterbildungen, um unter anderem in schwierigen Situationen richtig reagieren zu können. So findet Selina Boppart, dass «die Künstlerinnen und Künstler viel Herz, aber auch unglaublich viel Wissen und Erfahrung an den Tag legen. Sie spüren genau, wie man wen einbinden und ins Spiel integrieren kann. Heute ist zum Beispiel diese Begegnung voller ‹action› genau richtig».
