Frühlingserwachen

Ein besonderes Oster-Erlebnis

Am Freitagvormittag sitzen Kinder, Eltern und Pflegekräfte dicht beieinander und blicken gespannt auf einen hölzernen Kasten mit Glasscheibe im Erdgeschoss der Gästeetage. Darin liegen 20 befruchtete Eier verschiedener Hühnerrassen – sogenannte «Farbleger». Daneben steht ein liebevoll geschmücktes «Zugwägeli», ausgelegt mit Heu und ausgestattet mit einer Wärmelampe – das künftige Gehege für die kleinen Küken.

Die Eier im Brutkasten

Die ersten Küken

Geduld ist gefragt

Seit drei Wochen werden die Eier im Brutkasten sorgfältig gewärmt, befeuchtet und regelmässig gewendet. Draussen kündigt sich der Frühling an – drinnen warten alle.

„Heute wird es passieren“, sagt die erfahrene Landwirtin und Kleinkinderzieherin Monika. Sie weiss genau, wovon sie spricht.

Ein Kind rutscht näher an den Brutkasten heran. Bei einigen Eiern zeigen sich bereits feine Risse. Niemand spricht laut. Das Schlüpfen braucht Zeit. Minuten werden zu Stunden. Ein zäher, anstrengender Prozess – sichtbar und unmittelbar.

„Das ist Arbeit“, sagt eine Pflegerin leise.

Das Schlüpfen beginnt

Die Kinder beobachten aufmerksam. Leben entsteht nicht plötzlich – es kämpft sich seinen Weg. Dann ist es so weit: Die Schale gibt nach. Ein kleines, nasses Küken schiebt sich ins Licht. Es ist erschöpft, noch unsicher, aber es bewegt sich.

„Es lebt“, flüstert ein Mädchen.

Im Laufe des Tages schlüpfen weitere Küken. Jedes einzelne wird aufmerksam begleitet, fast behütet. Es wird nicht gejubelt wie auf einem Fest – vielmehr wird gestaunt, innegehalten.

Die Wirkung ist spürbar. Gespräche entstehen. Fragen werden gestellt – vorsichtig und ehrlich:
„Tut das weh?“
„Warum dauert das so lange?“
„Schaffen das alle?“

Nicht alle Fragen haben einfache Antworten. Aber sie dürfen gestellt werden.

Die Küken trocknen, richten sich auf und machen ihre ersten wackeligen Schritte. Leben, ganz am Anfang – zerbrechlich und zugleich erstaunlich stark.

Für einen Moment verschiebt sich die Perspektive im Flamingo Kinderhospiz. Der Fokus liegt nicht auf Diagnosen oder Prognosen, sondern auf Entwicklung, auf Anfang, auf Möglichkeit.

Ein Pflegefachmann bringt es später auf den Punkt:
„Hier geht es oft um Abschied. Aber heute geht es um Beginn.“

Später dürfen die Küken vorsichtig gehalten werden. Wärme liegt in den Händen, ein schneller Herzschlag – kaum spürbar und doch da. Es sind kurze Momente, die bleiben.

Vor dem Zugwägeli

Die kleinen Küken

Erlebnisse auf dem Bollenrütihof

Schliesslich ziehen die Küken in ihr liebevoll gestaltetes Gehege um. Einige Tage später holen Monika und ihr Pony Toby die Küken ab und bringen sie auf den Bollenrütihof, wo sie aufwachsen dürfen. Auch das gehört dazu: Loslassen. Zurück bleibt kein Spektakel, sondern etwas Leises – die Erinnerung daran, dass Leben Zeit braucht. Kraft. Und manchmal Hilfe.

Monika Bliggenstorfer ist auf dem Bollenrütihof in Fällanden aufgewachsen. Sie leitete über zehn Jahre die Bauernhofkrippe Purzelhof, übernahm 2018 den Familienbetrieb und führt ihn seither mit grossem Engagement weiter. Heute bietet sie dort unter anderem besondere Pony- und Tiererlebnisse an. Von ihrem grossen landwirtschaftlichen und pädagogischen Fachwissen darf auch das Flamingo Kinderhospiz profitieren: Seit März 2026 werden in Kooperation mit dem Bollenrütihof verschiedene tiergestützte Angebote realisiert – sowohl im Hospiz als auch auf dem Hof.

„Ich geniesse die Zeit mit den Tieren, fördere und fordere sie mit dem Ziel, sichere, verlässliche und ausgeglichene Tiere zu haben, die uns und den Flamingo-Gästen viel Freude bereiten“, sagt die Landwirtin. Nicht alle Tiere eignen sich für solche sozialen Einsätze. Monika achtet daher darauf, ausschliesslich Tiere auszuwählen, die Freude am Kontakt mit Menschen haben und dies auch durch ihr Verhalten deutlich zeigen.

Mit ihren Besuchen möchte sie Kindern – insbesondere auch Geschwisterkindern – die Tierwelt näherbringen, Berührung ermöglichen und ein Bewusstsein für artgerechte Haltung sowie einen achtsamen Umgang mit der Natur schaffen. Diese wertvolle Kooperation wird durch die grosszügige Spende einer Vergabestiftung ermöglicht.